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Kurz und bündig

Kommerzieller Bias - Art der Finanzierung medizinischer Zeitschriften beeinflusst Therapieempfehlungen

Fachzeitschriften sind nach wie vor ein wichtiges Medium für die Information von Ärzten – und daher für Pharmahersteller beliebte Werbeträger. Marburger und Göttinger Allgemeinmediziner haben jetzt untersucht, ob und in welchem Ausmaß Therapieempfehlungen in Zeitschriften, die der Fortbildung dienen sollen, davon abhängen, wie sie finanziert werden. Sie werten hierzu 465 Hefte des Jahrgangs 2007 von 11 deutschen Periodika aus, 5 kostenlos verbreitete Zeitschriften, die sich vor allem über Werbung finanzieren wie Ärzte Zeitung, Medical Tribune und Münchener Medizinische Wochenschrift (MMW), das Deutsche Ärzteblatt mit gemischter Finanzierung über Werbung und Abonnements sowie werbefreie Zeitschriften wie arznei-telegramm und Arzneimittelbrief, die sich über Abonnements finanzieren und keine Werbung enthalten. Untersucht wird, wie in diesen Periodika Cholinesterasehemmer, Duloxetin (CYMBALTA u.a.), Ezetimib (EZETROL), Glitazon-Antidiabetika, Inkretinmimetika, Insulinanaloga, Sartane und Vareniclin (CHAMPIX) beurteilt werden und ob für diese Werbung geschaltet wird. Diese neueren Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen wurden ausgewählt, weil sie noch patentgeschützt und somit teuer sind und zudem hinsichtlich Nutzen oder Indikationsbreite kontrovers beurteilt werden. Insgesamt prüfen die Autoren 638 Anzeigen und 297 Artikel. Zwei trainierte Bewerter erhalten die Texte in neutralem Layout und ordnen diese einer fünfstufigen Skala zu – von deutlich ablehnender Bewertung (-2) über neutrale Einschätzung (0) bis zur deutlich positiven Empfehlung (+2). Diese Einstufungen werden mit der Art der Finanzierung der Periodika in Relation gesetzt. Das Fazit: Leser kostenloser Zeitschriften erhalten für die ausgewählten Arzneimittel fast nur positive Bewertungen (+2: 92% der Artikel, +1: 7%) mit einem Durchschnitt von +1,9. Dieser beträgt bei gemischter Finanzierung +0,86, bei Zeitschriften ohne Werbeeinnahmen -1,03 (-2: 29,4%, -1: 52,9%, 0: 8,8%, +1: 8,8%). In MMW und Der Allgemeinarzt verdoppelt der Abdruck einer Anzeige die Wahrscheinlichkeit einer positiven Erwähnung des entsprechenden Arzneimittels im Heft – allerdings nicht in den vorherigen oder nachfolgenden Ausgaben. MMW bietet Anzeigenkunden an, Werbung gleichzeitig mit Artikeln zu platzieren, die zum Thema passen. Die Autoren* folgern, dass die werbungsfinanzierten Zeitschriften den Bemühungen entgegenlaufen, kritisches Lesen und evidenzbasierte Medizin zu verankern. Ärzte müssen sich entscheiden, entweder für werbefreie Fachzeitschriften mit objektiven Informationen zu bezahlen oder mit kostenlos vertriebenen Periodika potenziell verzerrte Informationen zu erhalten (BECKER, A. et al.: Can. Med. Ass. J. 2011; 183: 544-8).

* Unter den Autoren ist mit M.M. KOCHEN auch ein Redaktionsmitglied des a-t.

© 2011 arznei-telegramm, publiziert am 8. April 2011

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